Parabolis Virtualis 2: Neue, queere Lyrik – herausgegeben von Anna Hetzer, Kevin Junk und Biba Nass

Parabolis Virtuals 2: Neue, queere Lyrik herausgegeben von anna Hetzer, Kevin Junk und Biba Nass

Parabolis Virtualis 2, erschienen im Querverlag, stellt bereits zum zweiten Mal neue, queere Lyrik vor in einer handlichen Anthologie – zum zwischendurch und immer wieder Lesen. Teil 2 versammelt die Lyrik von insgesamt 15 Autor*innen und wurde herausgegeben von Anna Hetzer (Autorin von Pandoras Playbox), Kevin Junk (Autor von RE: re: AW: Liebe) und Biba Nass (Herausgeber von Transcodiert). Für die Illustrationen zeichnet sich Nick Gauci verantwortlich.

Die Gedichte thematisch auf einen Punkt zu bringen, ist unmöglich – aber wieso auch, immerhin kennt queere Lyrik nichts außer der Grenzen, die sie sprengt. Die Gedichte sind so unterschiedlich wie ihre Autor*innen: „Sie zeichnen queere Lebensrealitäten, die gelebt und gelesen werden wollen.“ Die Gedichte thematisieren unter anderem Liebe, Formen des Widerstands („nicht flehen / nicht fürchten / nicht vertrauen / sondern verbinden“), Konsum, Trennung, Herkunft und Objektifizierung, Identität, Körper und Gender und Rassismus. Die Gedichte haben eine thematisch intersektionale Ausrichtung, weil ihre Autor*innen diverse Hintergründe haben.

Queere Lyrik ist immer auch verspielt. Die Gedichte reflektieren ihre eigene Gemachtheit auf formaler wie auf inhaltlicher Ebene („Dichterinnen aufgepasst! / Den Kulturbeutel / ins Gedicht kippen / ist 58 Jahre nach Sylvia Plath / noch immer eine / feministische Tat“) oder spielen mit der Sprache. Darüber hinaus enthält Parabolis Virtualis 2 das wohl vermutlich coolste Manifest aller Zeiten (geschrieben von Odile Kennel), das hier unmöglich in irgendeiner Form zitiert werden kann ohne die Algorithmus-Götter zu erzürnen.

In dem abschließenden Essay Geflecht und Gedicht schreibt Anna Hetzer, warum Repräsentation noch immer so wichtig ist, auch wenn Formen der Unsichtbarkeit schon immer Teil der queeren Kultur waren: „so die angedeutete, knisternde Erotik in schummrigen Räumen, bis hin zum Fick im Darkroom.“ (Hot!) Sie schreibt über lesbische Lyrik, das intertextuelle Geflecht zwischen queerer Lyrik und von den Grenzen des eigenen Erfahrungshorizonts und warum es halt doch auch wichtig ist, zu schauen, wer schreibt.

Fans von queerer Lyrik werden in Parabolis Virtualis 2 auf ihre Kosten kommen, es ist für jemensch was dabei. Die Gedichte in der Anthologie sind mal verspielt, mal ernst, traurig, kurzweilig, melancholisch und auch wütend. Sie alle sind aber queer as fuck. Was will man bitte mehr?

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