Kristof Magnusson – Ein Mann der Kunst

Kristof Magnusson - Ein Mann der Kunst

Es herrscht Aufregung im Museum Wendevogel in Frankfurt am Main. Durch eine Erbschaft ist das Museum in Besitz eines Grundstücks gelangt und hier soll nun in direkter Nachbarschaft ein Neubau entstehen. Und der soll einem einzigen Künstler gewidmet sein: KD Pratz, „das Urbild des Künstlers […], das Urbild eines von Sinn und Bedeutung erfüllten Lebens.“

KD Pratz produziert lokal, ist aber mit internationalem Charme und Ruf ausgestattet. Er ist „ein Symbol, und zwar für alles: für die Kunst, die Intellektualität, den Typ des Künstlers, der vom Feuilleton bis zum Boulevard, von den Museen über die öffentlichen Plätze bis ins Fernsehen und in Kneipengesprächen überall präsent war.“ Allerdings muss, damit das Geld für den Neubau fließen kann, zuerst der Förderverein davon überzeugt werden, dass KD Pratz ein würdiger Kandidat ist. Der findige Museumsdirektor Michael Neuhuber schafft deswegen das Unmögliche: eine Einladung auf die Burg des Künstlers. Und so wird einer der Ausflüge des Fördervereins – oder was böse Zungen Kunsttourismus nennen – eine Reise in die Höhle des Löwen.

Ein Mann der Kunst von Kristof Magnusson ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und seiner Akteure, aber nicht auf die Kunst selbst. Kunst vermag es, den Lauf eines Lebens zu verändern. Sie zwingt uns, anders zu denken, anders zu sein. Viel mehr stehen hier die Befindlichkeiten einer Gruppe von Menschen im Vordergrund, die sich alle als Individuen verstanden wissen wollen. Und diese fordern nicht nur einen Besitzanspruch auf das Kunstwerk, sondern auf den Künstler gleich mit.

KD Pratz verweigert sich jedoch jeglicher Vereinnahmung. Er lebt zurückgezogen auf seiner Burg in Ablehnung gegenüber der Welt und den Menschen und in Skepsis gegenüber allem Neuen. Er ist ein Mann der Kunst und ein Mann der alten Schule. Wenig verwunderlich ist also, dass in der Begegnung von Künstler und Normalsterblichen Welten aufeinandertreffen. Nebenher müssen die alten Grabenkämpfe des Kunstbetriebs ausgefochten werden. Wie die Frage nach Sexismus und Feminismus in der Kunst, die Vermischung von Privatem und Öffentlichkeit und auch Kunst, die vermarktet, aber weder gefühlt noch gesehen wird.

Erzählt wird die Geschichte von Constantin Marx, einem schwulen Mann. Er ist Teil der Gruppe und des Fördervereins, aber steht immer ein bisschen außen vor. Sexualität oder Queerness sind keine zentralen Themen des Buches, aber es wäre naiv zu behaupten, dass diese spezifische Perspektive keinen Einfluss auf den Text hätte. Vielleicht ist seine Sexualiät auch der Grund, warum Constantin den Ereignissen mit einer Gelassenheit begegnet, welche Künstler und auch Förderverein schnell abhandenkommt.

Ein Mann der Kunst ist Satire und im besten Sinne Unterhaltungsliteratur. Schnörkellos, amüsant und empathisch erzählt Magnusson seine Geschichte, ohne dabei je moralisierend zu wirken. Was das Buch über viele Vertreter der Satire hervorhebt, ist, dass die Geschichte sich nicht im Zynismus verliert und eine Reihe an Charakteren vorstellt, die keine Abziehbilder sind, sondern zutiefst menschlich. Menschlichkeit ist in diesem absolut lesenswerten Roman die Frage und Antwort zugleich.

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