Platon – Symposion

Platon - Symposion

Ein weiteres Besäufnis oder doch gepflegte Unterhaltung? Ich weiß, was passiert, wenn ich Gäste einladen. In Platons Symposion (auch unter dem Titel Das Gastmahl bekannt) entscheidet man sich aufgrund der allgemeinen Katerstimmung und auf Wunsch des Phaidros jedoch dafür, Lobreden auf den Gott Eros zu halten. Phaidros, Pausanias, Eryximachos, Aristophanes und Agathon, sie alle preisen den Gott der Liebe und bekommen am Ende von Sokrates den Kopf zurechtgerückt. Rhetorik, das mag ja ganz nett sein, aber ist es auch wahr? Um wahrhaftig zu sprechen, bedarf es der Philosophie, also berichtet Sokrates kurzerhand von seinem Dialog mit der Pristerlehrerin Diotima, die ihn über die Natur des Eros aufgeklärt hat. Denn Eros ist weder schön noch gut und somit auch kein Gott. Eros ist ein Dämon – damals noch nicht negativ konnotiert – und strebt nach dem Schönen und Guten. Und das Schöne und Gute will er in Ewigkeit besitzen, indem er Unsterblichkeit erlangt. Aber wie? Manche Männer wenden sich den Frauen zu, um durch ihre Kinder Unsterblichkeit zu erreichen. Andere wenden sich den Knaben zu, um diese im Sinne des pädagogischen Eros zu unterrichten und so das Schöne hervorzubringen, was den Knaben von Natur aus innewohnt. Und diese Form der Unsterblichkeit ist auch um einiges besser, weil praktischer. Homers Verse, die im Symposium auch des Öfteren zitiert werden, sind einem jedem bekannt. Mag man das auch über das eigene Kind sagen? Denn was aus denen wird, kann man ja nie so ganz voraussehen.

Die alten Griechen waren natürlich extrem sexistisch, Ehemänner haben ihre Frauen unter Verschluss gehalten und auch das Konzept der Knabenliebe verstört uns heute. Abgesehen davon kann man natürlich verstehen, wieso spätestens bei den Viktorianern so manchem jungen Mann sich eine vollkommen neue Welt offenbarte, als sie Platons Symposion an der Universität gelesen haben. Hier wurden die eigenen Gefühle nicht nur bestätigt, sondern als überlegen geschildert. Und vielleicht ist auf dem Weg zur Emanzipation das Gefühl der Überlegenheit ja auch ein wichtiger Schritt. Zumindest kann auch ich von mir behaupten, dass ich mittlerweile heterosexuelle Partnerschaften voll okay finde. Die verstärkte Literatur von Platon führte aber auch dazu, dass Professoren ihre Schüler mit ihren Lieblingsbüchern beschenkten und dieser Akt als höchstes aller Gefühl galt. Ich muss zugeben: Die Vorstellung ist ziemlich sexy.

Am Ende kommt es im Symposion dann trotz aller guten Vorsätze zum Besäufnis. Auch das kommt mit bekannt vor.

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