Nkunzi Zandile Nkabinde – Black Bull, Ancestors and Me: My Life as a Lesbian Sangoma

Nkunzi Zandile Nkabinde - Black Bull, Ancestors and Me

Hinweis: Nkunzi Zandile Nkabinde ist am 24.05.2018 verstorben. Bis zu diesem Zeitpunkt war ein weiteres Buch geplant, Nkabinde hat sich kurz vor ihrem Tod als trans Person identifiziert und wollte auch darüber schreiben. Da Nkabinde in allen selbst verfassten Texten sie/ihr Pronomen verwendet, folgt die Besprechung von Black Bull, Ancestors and Me (2008) diesem Wunsch.

Nkunzi Zandile Nkabinde ist lesbisch und eine Sangoma, eine traditionelle Heilerin. Sie bewegt sich zwischen Moderne und Tradition, aber auch zwischen den Geschlechtern. Sie tanzt wie eine Frau, sie schlachtet wie ein Mann. Mit diesem Tanz zwischen den Welten schafft sie es, ihr Geschlecht neu zu inszenieren und zu fühlen. Es ist ein Tanz, der patriarchale Strukturen untergräbt – aber auch reproduziert und festigt.

Es beginnt mit einer Anrufung der Ahnen, denn Nkunzi, der schwarze Bulle ist der Ahne, der sie gerufen und ihr seinen Namen gegeben hat. Und es beginnt mit einer Anrufung der Ahnen, weil ihre Geburt mit dem Tod einhergeht. Ihre Großmutter, ihr Onkel und ihr Zwillingsbruder, sie alle verlassen die Welt am Tag ihrer Geburt. Die Religion der Zulu, die stark von der Verehrung der Ahnen geprägt ist, ermöglicht es Nkabinde, Geschlecht jenseits der Konventionen und Normen zu denken. Wäre sie lesbisch geworden, wenn ihr Zwillingsbruder nicht gestorben wäre? Als Frau kann Nkabinde problemlos Sagoma werden – eine Frau zu lieben, das ist in Südafrika, trotz der fortschrittlichen Verfassung, die Lesben und Schwule schützt, noch immer gefährlich.

Immer wieder werden lesbische Frauen Opfer sogenannter Korrekturvergewaltigungen, sie werden Opfer von Gewalt und auch ermordet. Doch Nkabindes dominanter Ahne, der zu und durch sie spricht, ist ein Mann – und ihm steht eine Ahnenfrau zu. Auch im Tod wird der Wunsch eines Ahnen nicht ausgeschlagen und häufig nicht einmal hinterfragt. Und so gibt es zahlreiche weibliche Sagomas, die eine Ahnenfrau haben. Diese Form der Ehe zwischen zwei Frauen ist eine höchst symbolische und ist nicht sexueller Natur. Die Ahnenfrau kocht und wäscht, sie dient. Das Leben als weibliche Sangoma mit einer Ahnenfrau bietet für viele lesbische Frauen jedoch ein Ausbruch aus den patriarchalen Strukturen der Gesellschaft.

Männliche Ahnen in weiblichen Körpern, das Gefühl zwischen den Geschlechtern zu stehen. Nkabindes Text lässt sich an vielen Stellen auch als die Geschichte einer nicht-binären oder trans Person lesen – auch wenn sie dafür Bilder benutzt, die westlichen Leser*innen fremd erscheinen mögen.

Fast alle Sagomas, von denen Nkabinde in ihrem Buch berichtet, sind Opfer sexueller Gewalt geworden. Als Sagoma gebührt ihnen nicht nur Respekt, sondern auch ein gewisses Maß an Furcht. Der Aberglaube schützt sie und auch ihre Partnerinnen vor Gewalt. Nkabinde berichtet aber ebenso von Frauen, welche altbekannte Beziehungsmuster leben: Frauen, die in die Rolle des Manns schlüpfen, sich bedienen lassen und ihre Partnerinnen schlagen – welche dieses Verhalten erwarten.

Nkabindes Verhältnis zu den Traditionen der Zulu ist ein praktisches. Als lesbische Frau lehnt sie die Praxis des Jungfrauentests für Mädchen ab. In einer Gesellschaft, in der immer mehr minderjährige Mädchen schwanger werden, sieht sie aber auch einen Vorteil. Und auch wenn Nkabinde selbst Opfer sexueller Gewalt geworden ist, die Verantwortung sucht sie, in der Konfrontation mit anderen Opfern, oft auch bei diesen selbst. Ebenso hat Nkabinde aber auch an der Gründung einer Organisation mitgewirkt, die gleichgeschlechtlich liebende Sagomas zusammenbringt, um das Stigma der Sexualität zu durchbrechen und ein Leben in der Öffentlichkeit zu ermöglichen.

Black Bull, Ancestors and Me bietet ausreichend Momente, an denen man sich durchaus reiben kann, die aber genauso viel über uns als Leser*innen verraten und mit welchem Blick wir in die Fremde blicken – oder das, was wir als Fremde wahrnehmen. Stellenweise oberflächlich, zuweilen frustrierend, aber nie langweilig: Black Bull, Ancestors and Me ist mit seinen 160 Seiten schnell zu lesen, hat aber unheimlich viel zu erzählen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.