Michael Power – Shadow Game

Michael Power - Shadow Game

Als Michael Power 1972 Shadow Game veröffentlichte, musste er sich der Radikalität des Romans bewusst gewesen sein. Derart schonungslos in der Darstellung der grausamen Apartheid-Politik und der Liebe zwischen zwei Männern – der eine weiße, der andere schwarz – wurde das Buch in Südafrika verboten und auf Wunsch des Autors unter dem Pseudonym Laurence Eben in England veröffentlicht. Erst 2008 konnte Shadow Game unter richtigem Namen in Südafrika veröffentlicht werden. Vielleicht auch deswegen ist der Roman größtenteils in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn wie Power über diese verbotene Liebe und damit auch über Rassismus, Gewalt und Macht schreibt, ist kein bisschen sentimental oder didaktisch.

„A web of laws has been spun to keep us apart.“

Ray ist Anfang 20, ein wenig naiv und arbeitet in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit in einer Bergbaugesellschaft. Victor ist Mitte dreißig, bereits verheiratet gewesen und ein bekannter Radiomoderator in Johannesburg und auch darüber hinaus. Sie lernen sich auf einer Veranstaltung zum Erhalt nativer Kulturen kennen. Solange man sich innerhalb der Gesetzesgrenzen bewegt, bezeichnet man sich hier gern als liberal. Die strikte Trennung zwischen weiß und schwarz bleibt bestehen, die Hierarchie wird aufrechterhalten. Ein paar Blicke über den Raum hinweg reichen aber aus, um Ray und Victor zusammenzuführen. Trotzdem, die Beziehung ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, das tragische Ende ist vorherzusehen.

„Born blind, ordered to grow up blind, but not able to.“

Nach und nach verliert Ray seine Naivität. Er lügt, wenn auch nicht so gut wie Victor, der es schon immer tun musste, um zu überleben. Sie haben nichts, worauf sie sich beziehen können, alles ist Neuland, für Vieles fehlt ihnen die Sprache. Ray beginnt die Welt mit anderen Augen zu sehen, jene zu hassen, welche vom Apartheid-Regime profitieren, es aufrechterhalten. Glaubte er zu Beginn noch, Victor zu retten, muss er sich bald seine eigene Arroganz eingestehen: Victor ist es, der den Preis für ihre Beziehung bezahlen muss, nicht er.

Michael Powers Sprache beschränkt sich auf das Nötigste, in ihrer Direktheit der Darstellung von Rassismus, der Fetischisierung schwarzer Körper und auch Antisemitismus nimmt sie keine Rücksicht auf Verluste. Die Apartheid wird hier als das bloßgestellt, was sie ist, kein einziges Mal wird sie verharmlost oder beschönigt.   Shadow Game ist niederschmetternd, aber nie kalt oder apathisch.

Michael Power hat nach Shadow Game keinen weiteren Roman (es war sein insgesamt dritter) veröffentlicht. Auch ist über ihn und sein Leben seit der Veröffentlichung wenig bekannt – auch ob er noch lebt. Aber Autor*innen leben ja eh dadurch, dass ihre Romane gelesen werden.

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