Bill Hayes – Insomniac City: New York, Oliver Sacks, and Me

Bill Hayes - Insomniac City

Als Bill Hayes 2009 von San Francisco nach New York zieht, lässt er sein gesamtes Leben zurück: All seine Habseligkeiten, seine Freundschaften und die Erinnerungen an seinen verstorbenen Partner Steve. In New York beginnt der unter chronischer Schlaflosigkeit leidende Hayes durch die Straßen zu wandern und zu fotografieren. In Insomniac City berichtet er von seinen Beobachtungen, dem nächtlichen Rhythmus der Stadt, seiner Trauer und auch von seiner Liebe zu Oliver Sacks, dem berühmtem Neurologen und Schriftsteller.

Hayes ist nach 35 Jahren Zölibat die erste Liebe im Leben des bereits 75-jährigen Oliver Sacks. In einer Mischung aus essayistischen Texten und Tagebucheinträgen zeigt Hayes wie sich ihre Beziehung wandelt. Von ihrem Kennenlernen, dem anfänglichen Versteckspiel bis hin zu Sacks Verlangen, seine Autobiographie vor seinem Tod im August 2015 fertigzustellen, in der er endlich zu seiner Homosexualität steht.

Bei seinen Streifzügen durch New York lernt Hayes die unterschiedlichsten Menschen kennen. Beispielsweise Ali, einen muslimischen Kioskverkäufer, mit dem er eine innige Freundschaft aufbaut, oder Illona, eine ältere Dame. Im Austausch für ihr Foto möchte sie sein Auge zeichnen. Hayes erzählt auch von einem in der U-Bahn weinenden Mann, den die New Yorker nicht im Stich lassen, von den auf der Straße lebenden Menschen, von Personen, die aus irgendeinem Grund seine Aufmerksamkeit verlangen.

Insomniac City wird oft als ein Buch über Trauer beschrieben und mit Sicherheit ist es auch das. Es ist aber auch ein Buch über das Dazwischen, wo Trauer und Normalität ineinander übergehen. Wer Patti Smiths M Train mochte, wird mit Sicherheit auch an Insomniac City seine Freude finden. Sei es beim Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder bei einem Spaziergang, das Buch schafft es ganz ohne Kalendersprüche oder Paul- Coelho-Esoterik, dass man seinen Blick hebt, um innezuhalten und herauszufinden, was in der Welt rund um uns herum geschieht.

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