Stefan Hornbach – Den Hund überleben

Stefan Hornbach - Den Hund überleben

Eine dritte Niere ist eine Dattel ist eine Pampelmuse ist ein Ding ist ein Tumor. Sogar mehr als nur einer. Aber wozu dem Ganzen auch noch einen Namen geben? Den hat es überhaupt nicht verdient.

Mit gerade einmal 24 Jahren erhält Sebastian die Diagnose Krebs. Er studiert in Gießen, besucht seine Freundin Su in Paris, lebt in den Tag hinein. Es ist kein Leben mit einem konkreten Ziel, mit dem Leben, das er hat, ist aber eh erst einmal Schluss, denn Sebastian zieht für die Behandlung zurück zu seinen Eltern. Hier gibt es nur noch ein Ziel: den alten Familienhund zu überleben.

„Gut, dass wir es gefunden haben.“, hört Sebastian immer wieder in den Sprechzimmern der Ärztinnen und Ärzte. Aus ist ihm nun ein ‚Wir‘ geworden ein Patient, jemand, der behandelt wird. Das Leben als Passivsatz sozusagen. Mit dem Trugbild von einer Sicherheit, in der ihm nichts passieren kann, ist es vorbei.

Stefan Hornbach erzählt in seinem Debütroman Den Hund überleben unaufgeregt und unprätentiös von der Krankheit. Der Roman präsentiert die Krankheit nicht als Moral, welche Sebastian und den Leser*innen auf den Weg gegeben werden muss. Manchmal passieren Dinge, aus denen sich keine Lehre für die Zukunft ziehen lässt. An dieser Erkenntnis kann auch Jasna nichts ändern, eine Schulfreundin, von Sebastian. Sie versorgt ihn mit einem Karton voll Lesematerial zum Thema Esoterik und organisiert ein Seminarplatz bei einem Schamanen.

Nicht ohne Grund wird Susan Sontag zu Beginn des Romans zitiert. Hat sie in ihrem Essay Krankheit als Metapher (Illness as Metaphor, aus dem Englischen von Karin Kersten und Caroline Neubaur) doch analysiert, wie der Diskurs rund um Krebs stets impliziert, dass die betroffene Person sich den eigenen Dämonen stellen muss, um gesund zu werden, dass sie die Krankheit selbst verursacht hat.

Der Roman zeichnet sich durch eine gewisse Leichtigkeit aus, das Leben geht auch mit der Diagnose weiter – im Guten wie im Schlechten. Das verwundert wenig, wenn man weiß, dass Stefan Hornbach sich mit der Thematik bereits in dem Theaterstück Über meine Leiche auseinandergesetzt hat, das sich durch schwarzen Humor auszeichnet. Es ist aber gerade diese Leichtigkeit in Den Hund überleben, welche die Ereignisse abseits von übertriebener Dramatik und unnötigem Pathos umso nahbarer macht.

Ähnlich wird auch das Thema Queerness im Roman thematisiert. Dass Sebastian schwul ist, wird nicht dramatisiert oder als Konflikt genutzt. Sollte Sebastian je mit seiner Sexualität gerungen haben, erfahren wir als Leser*innen davon nichts, sie ist ein selbstverständlicher Teil der Handlung und von Sebastians Leben. Auch wenn Sebastians Vater zu Homosexualität zuerst einmal Analsex und AIDS einfallen.

Stefan Hornbach hat mit Den Hund überleben einen starken Debütroman geschrieben, der sich trotz der Thematik nicht in Apathie verliert, mit den Gewohnheiten des Genres Krankheitsliteratur bricht und gerade durch seine Zurückhaltung zu überzeugen weiß.

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