Dennis Cooper – Frisk

Dennis Cooper - Frisk

“I just realized that if you’re still reading you must be the person I want you to be. God, I hope so.”

Frisk (Sprung, aus dem Amerikanischen von Frank Heibert) von Dennis Cooper ist das zweite Buch aus dem George-Miles-Zyklus. Der Roman führt die Motive und formalen Aspekte seines Vorgängers Closer fort, spitzt sie zu: Frisk ist der beschädigte Körper, der seine inneren Vorgänge offenbart, sein Begehren, seine Wünsche, Ängste und Hoffnungen.

Wie bereits Closer erzählt auch Frisk eine Geschichte über Begehren an der Schnittstelle von Sex und Gewalt. Der Erzähler Dennis ist besessen von einer Reihe an Snuff-Fotos, die er als 13jähriger gesehen hat. Der Körper ist kein Ganzes mehr, er besteht aus Versatzstücken, einer Oberfläche und einem Innern: „I mean, skin’s biggest reward, which is sperm, I guess, is only great because it’s a message from somewhere inside a great body. But it’s totally primitive. (…) I can actually imagine myself inside the skins I admire. I’m pretty sure if I tore some guy open I’d know him as well as anyone could, because I’d have what he consists of right there in my hands, mouth, whatever.”

Dass ändert sich auch nicht, als er Jahre später Henry kennenlernt, den er als das vermeintliche Opfer auf den – nun als Fälschung enttarnten – Fotografien wiedererkennt. In Amsterdam schließlich scheint Dennis seine Fantasien Realität werden zu lassen. Die Erzählung gipfelt in einer Reihe aus brutalen Morden – aber haben sie tatsächlich stattgefunden?

In Frisk sind es nicht die Dielenbretter, unter denen das verräterische Herz schlägt, es ist der Raum an der Spitze der umgebauten Windmühle. Hier, so der Erzähler, habe er die Leichen seiner Opfer versteckt.  Frisk ist ein Text mit doppeltem Boden: verschiedene Perspektiven, ein Erzähler, der den gleichen Namen wie der Autor trägt, doppelte Fiktionen, ein Erzähler, der mehr weiß, als er eigentlich dürfte.

Auch für Frisk ist Dennis Cooper 1991 beim Erscheinen des Romans in die Kritik geraten, sogar eine Morddrohung hat er erhalten (ähnlich war auch die Reaktion auf die 1995 veröffentlichte Verfilmung von Todd Verow). Es ist leicht dem Text das Zelebrieren von Gewalt vorzuwerfen, auch aufgrund seiner formalen Komplexität. Denn Frisk lässt sich auch durchaus als das Werk eines äußerst moralischen Autos verstehen, konfrontiert der Text seine Leser*innen doch mit der eigenen Mittäterschaft und Verantwortung. Frisk stellt aber auch die Frage, in welchem Rahmen die Darstellung von Gewalt in Ordnung ist und in welchem nicht. Offenbart sich nicht auch unser Voyeurismus im Erfolg von den gewaltgeladenen Actionorgien Hollywoods? Und welche Rolle spielt es, ob die dargestellte Gewalt in einem Text von ihren Figuren erfunden wurde? Ist Gewalt in einem Text nicht immer genau das, ein Text?

Die im Roman dargestellte Gewalt, von jeglicher Emotion entkoppelt, ist nur schwer zu ertragen und doch ist Frisk nicht das Werk eines apathischen Autors. Frisk endet hoffnungsvoll mit dem Ausblick auf Transzendenz durch die Kraft der Kunst. Meine persönlichen Gefühle dem Text gegenüber kann ich auch Wochen nach der Lektüre nur schwer beschreiben. Viel wichtiger ist aber wohl auch, dass er mich seitdem immer wieder beschäftigt.

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